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Berlin Techno Archive
 
 

Pending submission: Die Party ist Vorbei, (Spiegel 95-10)  

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Resource ID

190

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Contributed by

Pınar Şahin

Metadata
General Information
Technical Details
Persons / Artists / Collectives

Date of artefact origin

15 October 95

Type of Artefact/Material

Media Article / Issue

Credit (creator of artefact) incl. licence type

Der Spiegel (All rights reserved - archival/educational use)

Digital born?

yes

Related Venue

E-Werk, Tresor, WMF, Bunker

Keywords

Club closures, Gentrification, Press coverage

AI Keywords

Berlin, 1990s, Techno, Nightlife, culture

Caption

Der Spiegel. (1995, October 15). Die Party ist vorbei. Der Spiegel, 42/1995.

This 1995 Der Spiegel article documents a critical moment in E-Werk's history when the club faced potential closure due to pressure from its landlord, the Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG). The article reveals how rising rents and legal disputes threatened the venue's survival, reflecting the broader struggle of Berlin's underground techno scene against commercial development in the mid-1990s.

Original filename

https-_www.spiegel.de_panorama_die-party-ist-vorbei-a-97af23e7-0002-0001-0000-00.pdf

File format

PDF

Date of Creation (of the digital version)

27 November 25

Creator of Digital File

Firefox Klar

Content description (AI-based)

The document is a digital article from the German publication "Der Spiegel," dated October 15, 1995. The title of the article is "Die Party ist vorbei," which translates to "The Party is Over." It discusses the decline of the techno scene in Berlin Mitte, where clubs that once thrived are now facing commercialization and urban planning challenges. The article is categorized under "Jugend" (Youth) and is part of the "Panorama" section. The text begins with a description of a Monday morning scene, mentioning men with keys and an open drawer, suggesting a narrative about the changing atmosphere in the area. The document includes navigation elements typical of a digital archive, such as links to the homepage and other sections.

Document extract (OCR)

al

© (al &

Startseite > Panorama > Berlin > Die Party ist vorbei

Jugend

Die Party ist vorbei

Die Klubs in Berlin Mitte, wo einst die deutsche Techno-Szene
entstand, miissen Kommerz und Hauptstadtplanung weichen.

15.10.1995, 13.00 Uhr * aus DER SPIEGEL 42/1995

W @

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das
wichtig?

Es war Montag morgen, kurz vor halb sieben, als ein paar
finstere Typen sich an den schweren Tiiren des Bunkers zu
schaffen machten. Die Manner muf§ten 20 Schlésser knacken;
dann waren sie drinnen - jeder Raum wurde durchsucht, keine
Schublade blieb ungedffnet.

Jo
Zur selben Zeit bekam auch Werner Vollert, 35, unverhofften
Besuch. Etwa 30 Beamte des Landeskriminalamts
durchkammten die Kreuzberger Wohnung des Mannes, der
den Bunker gemietet hat. Auf der Suche nach Beweisen fir
den villegalen Betrieb einer Diskothek« kopierten Spezialisten
mit einem »Streamer« die Computer-Festplatte von Vollert
und beschlagnahmten dessen Akten

>Es war klar, da das irgendwann passiert«, meint Vollert
gelassen. »Gut koordiniert das Ganze, mein Respekt.« Der
»Bunker«, einer der bekanntesten Berliner Techno-Klubs,
bereitet jetzt seine Abschiedsparty vor.
Die Razzia, die das Ende des Bunkers einleitete, war nur der
filmreife Héhepunkt einer Serie von Kontrollen und
Durchsuchungen: 21 »diskothekendhnliche Betriebe« wurden
in den letzten zwei Monaten iiberpriift. Und die Betreiber
jener Klubs im Berliner Bezirk Mitte, die legal oder illegal, mit
‘oder ohne Schanckonzession und Gewerbeschein, die
‘chemaligen Ruinen bewirtschaften und bislang geduldet,
wurden, bangen nun um die Existenz ihrer Laden - oder sehen
schon gefaSt dem Ende entgegen: Wo sich einst die deutsche
Techno-Szene formierte, macht sich, langsam aber scheinbar
unaufhaltsam, die Hauptstadt breit.
Nach der Wende wuchs in den leerstehenden Ruinen des
kkiinftigen Regierungsbezirks Mitte ein Klubleben, das heute so
faltig st wie nirgends sonst in Deutschland. Selbst
Experten kommen ins Griibeln, wenn man sie nach der Zahl
der Treffpunkte fragt. 20? 30? - so genau wei es keiner,
zumal manch illegale Bar nach ein paar Monaten Geheimti

Existenz schon wieder verschwindet. Sicher aber ist, da8 in
Laden wie dem »Tresor« oder dem »E-Werk« internationale
Popgeschichte geschrieben wurde.

Fiinf Jahre lie® man die jungen Techno-Pioniere in maroden
Bunkern, Fabrikhallen, verfallenen Geschaftsrdumen und
Kellern ungestért agieren. Wer einen Klub griindete, mute
zwangsidufig renovieren und bewahrte die Altbauten schon
durch permanente Nutzung vor dem Verfall: Da dabei oft
nicht alle Gewerbevorschriften erfillt wurden, st6rte bislang
allenfalls Diskothekenbesitzer aus dem Westteil der Stadt,
iesem Ambiente aus

deren Tanzfliichen im Vergleich mit
Verfall und Underground ziemlich langweilig wirkten,
Meist blieb den Klubbetreibern nichts anderes iibrig, als,
ordnungswidrig zu handeln.
Vertriige - was die fiir eine Konzession notwendigen
Investitionen zum unkalkulierbaren Risiko machte.
Kommissar Werner Coppits vom Landeskriminalamt betont
zwar, man wolle »nicht wahnsinnige gegen die »Spitbetriebe«
vorgehen; es gebe keinen Plan, die Szene zu zerschlagen.
Dennoch ist vom drohenden »Klubsterben« die Rede. Und

ht nur die kleinen Undergroundbars sind bedroht - es trfft
die bekanntesten Techno-Tempel Berlins.

Sie bekamen nur kurzfristige

Den »Tresor« zum Beispiel am Leipziger Platz. Seit dem
Friihjahr 1991 gelten die Stahlkammern der ehemaligen
Werthei
Bewegung. Mitte September hat der Bund das etwa 27 000
Quadratmeter groBe Grundstiick, auf dem sich auch der
»Tresore befindet, an das Miinchner Unternehmerpaar Isolde

\-Bank als Geburtsort der deutschen Techno-

und Peter Kottmair verkauft.
Nach einem Entwurf des Mailiinder Architekten Aldo Rossi

soll, neben einem Variete fiir den »Cirque du Soleil«, auch der
Tresor »in die Kulturkomponente eingebracht werden«, so der

Projektleiter

Skepsis ist angebracht; Investoren schmiicken sich
cerfahrungsgemd8 nur so lange mit Kultur, wie diese auch,
Rendite bringt. Ob der Tresor die zu erwartende Spitzenmiete
zahlen kann, ist frag!
so verschwindeng, sagt eine Mitarbeiterin. »Dann wird man
sich mur noch erinnern: Ach, hier war mal der legendiire
Tresor«

h, »Wir werden wahrscheinlich einfach

‘Auch das E-Werk bangt um seine Existenz, Die weitldufige
Halle des denkmalgeschiitzten chemaligen Umspannwerkes
wurde noch im Friihling dieses Jahres von 30 000 Ravern
zum beliebtesten Klub Deutschlands gewailt.
Die vier Betreiber haben ohne staatliche Unterstiitzung
zweicinhalb Jahren aus der Industrieruine eine florierende
Diskothek gemacht, die von 130 000 Giisten im Jahr besucht,
wird.

Wenn es nach dem Willen der Vermieter geht, wird dem B-
Werk woméglich der Strom abgestellt. Die Treuhand
Liegenschattsgesellschaft (TLG) reichte im Juni eine
Réumungsklage ein. Hintergrund sind kompl
Mietstreitigkeiten. Die E-Werk-Macher, die in eine Ruine
‘eingezogen sind, in die sie bislang jiber 560 000 Mark
investiert haben, klagen ber »Terrormieten": Zur Zeit sind
monatlich 26 633,42 Mark fallig.

ierte

Die TLG bestreitet die Existenz eines giltigen
Mietverhiltnisses. Nun habe man den E-Werken einen neuen
Vertrag angeboten, erkliirte die TLG am 11. Oktober. E-Werk-
Betreiber Ralf Regitz sagt, ihnen sei »die Pistole auf die Brust
.gesetzt« worden: »Entweder wir machen im November 2u,
oder wir gucken, ob wir das unter diesen harten Bedingungen
hinkriegen.« Er wei nicht, wovon er die Miete zahlen soll.

Seit dem Sommer hiiufen sich Einbriiche und Uberfiille: Im
>WMF«, einem Techno-Klub der ersten Stunde, wurde
zweimal, im Tresor dreimal eingebrochen. Bei einem Uberfall
im E-Werk fesselten maskierte und bewafinete Gangster 13
Mitarbeiter und drohten, ihnen ins Bein zu schieRen, falls sie
die Tageskasse nicht rausriicken sollten. Auerdem nahmen
sie den Geiseln die Ausweise ab und notierten die Adressen.
»Wenn ihr was sagt, dann kommen wir zu euch nach Hause.«

Schon flistern manche von Russenmafia und
Schutzgelderpressern - und doch ist es keine Verschwérung,
welche die Klubkultur meucheln will: Aus der
Ruinenlandschaft wird die City einer Hauptstadt. Die
potentesten deutschen und internationalen
Immobilienhiindler und ihre Banken haben die alte und neue
Mitte unter sich aufgeteilt und bis zu 40 000 Mark pro
Quadratmeter investiert. »Die Logik der Kapitalverwertung
erzwingt ein sauberes Mittee, sagt Albert Eckert, der
kulturpolitische Sprecher der Griinen. In zwei, drei Jahren,
wenn die Regierung und der Bundestag in den Bezirk
‘einziehen, werden sie vermutlich ein von Techno-Hohlen

gereinigtes Terrain vorfinden.

In Berlin ist zur Zeit Wahlkampf, so treffen die Alarmsignale
der Szene auf offene Ohren. Volker Hassemer (CDU), Senator
fiir Stadtentwicklung und Umweltschutz, und Ingrid Stahmer,
Spitzenkandidatin der SPD, bekundeten ihre Solidaritat mit E-
Werk und Techno; die Berlin Tourismus Marketing GmbH lieS
verlauten: »Aus touristischer Sichte wiire die SchlieSung des
Klubs »auSerst bedauernswert«. Der Griine Albert Eckert
stellte eine Kleine Anfrage an den Berliner Senat: »Stehen
Berlins Techno-Tempel vor dem Aus?«

Die Senatsverwaltung fiir Kulturelle Angelegenheiten
bestitigt, da »Veranstaltungsorte wie Tresor und E-Werk«
wesentlich dazu beigetragen haitten, da® Techno »auch
international unmittelbar mit dem Namen Berlins verbunden«
wird; die Techno-Klubs aus Mitte stiinden als Exponenten fiir
die Originalitat, Lebendigkeit und Attraktivitat der kulturetlen
Vielfalt Berlins«.

Der Senat will sich deshalb um eine »Erhaltung des E-Werks
bemiihen«. Eine Senatsbeauftragte sitzt bei den
Verhandlungen mit am Tisch - zu der Entscheidung, die
gesamte Techno-Subkultur einfach unter Denkmalschutz zu
stellen, haben sich Berliner Politiker noch nicht

durchgerungen.

Die Pioniere sind ohnehin mide geworden. Ihren
»Hohepunkt«, sagt etwa Tina, 29, die eine illegale Bar

betreibt, habe die Techno-Kultur 1991 gehabt, »danach wurde
es immer bléder«, AuSerdem »ist es véllig uninteressant, in
der Nahe der Friedrichstra8e in zwei Jahren noch irgendeinen
netten Klub zu machen. Was soll das? Willst du Krawatten

bedienen?«

‘Werner Vollert vom Bunker sitzt zur Zeit an einem Aufsatz ftir
>The Party

‘ein Buch iiber »Techno in Berlin«. Geplanter Tit
isover«. YB
Q stansene feedback

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